Nobel-Villa

Nobel-Villa soll verkauft werden - der Preis ist eine Überraschung

So eine Immobilie ist nicht jeden Tag auf dem Markt. Hier kann jeder einen Blick hinter die Mauern werfen.

Trossingen ist voller schöner, denkmalgeschützter Gebäude - nahezu 100 verteilen sich über das Stadtgebiet. Eine der prächtigen Fabrikantenvillen steht nun zum Verkauf - für eine Million Euro. Es ist die Villa Dr. Karl Hohner an der Ecke Hangenstraße/Dr.-Karl-Hohner-Straße.

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Vor zwei, drei Wochen habe die Vermarktung begonnen, berichtet Maklerin Carmen Christa Grellmann aus Engen von Après-Immobilien. „Es ist schwierig, weil es ein spezielles Objekt ist“, sagt sie. „Es sind viele Räume, insgesamt zehn mitsamt einer Bibliothek, und das Gebäude ist denkmalgeschützt - es ist kein normales Einfamilienhaus.“

Das bestätigt ein Blick ins Innenleben der Villa: Sie ist voller historischer Möbel, Antiquitäten, Bilder, Wandteppiche - und die kann der Käufer des Hauses miterwerben bei einem entsprechenden Aufpreis. „Die Möbel werden mitverkauft, die Antiquitäten übernommen“, sagt Grellmann. Für die komplette Einrichtung würden weitere 95.000 Euro fällig. Der Bewohner sei ein „Fan historischer Möbel - er hat einiges modernisiert, damit es zeitgemäß ist, aber das Mobiliar soll passen und dem Gebäude angemessen sein.“

„Es ist eine Herausforderung, ein solches Objekt zu vermarkten“, sagt Grellmann. „Aber mich reizen außergewöhnliche Dinge.“ Es habe in den ersten Wochen bereits Anfragen gegeben, jedoch wegen der Urlaubszeit noch keinen Besichtigungstermin.

Sie sei zuversichtlich, dass sich ein Käufer finde - vor einigen Jahren war dies nicht der Fall gewesen, als die Villa schon mal verkauft werden sollte: für 1,2 Millionen Euro. Es habe damals kaum Anfragen gegeben, sagt Grellmann.

Eine Million statt 1,2 Millionen Euro

Um diesmal mehr Erfolg zu haben, sei man mit dem Preis runtergegangen. „Hochpreisige Objekte sind nicht einfach zu verkaufen“, verweist die Maklerin auf die allgemeine Entwicklung im Immobilienmarkt. „Die Zeiten werden nicht einfacher - und das Haus älter.“

Dessen Historie beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts - Trossingen war ein prosperierender Ort mit einer blühenden Harmonikaindustrie. Vor allem im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts entstanden in Trossingen dutzende herrschaftlicher Häuser, vornehmlich freistehende Villen. Dem Beispiel der Harmonikafabrikanten Matthias Hohner und Christian Weiss folgend, ließen wohlhabende Bürger eigene Prachtbauten errichten, häufig mit parkähnlichen Gärten.

Mitte des Jahrzehnts ließ laut dem früheren Stadtarchivar Martin Häffner Maria Messner, begüterte Witwe des Trossinger Landwirts Michael Messner, an der damaligen Hangenstraße - heute Dr.-Karl-Hohner-Straße 14 - eine burgartige Villa errichten; sie entstand nach den Plänen des Architekten Wäschle im Stil des Historismus - im Geist dieser Architekturepoche wurde auch das Trossinger Rathaus gebaut - mitsamt Jugendstilelementen.

1919 erwarb Fabrikdirektor Matthias Hohner das Gebäude, berichtet Häffner. Wenige Jahre später übernahm es dessen Sohn Dr. Karl Hohner.  Das von einer gedeckten Mauer mit Ecktürmchen umgebene Haus samt eines Gartens mit unter anderem Wasserspiel blieb viele Jahrzehnte in Familienbesitz. Bis zu ihrem Tod vor 15 Jahren bewohnte Direktor Karl Hohners Tochter Margarita Fuchs das Gebäude mit 330 Quadratmetern Wohnfläche. Es wurde bei der Trossinger Hagelkatastrophe 2006 beschädigt und danach vollständig saniert.

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